SPÖ-Frauen fordern: „Zurück in die Zukunft mit der Frauenpolitik“

Lehren aus der Corona-Krise ziehen und Verbesserungen für Frauen jetzt umsetzen. Echte Gleichberechtigung statt nur Applaus.
„Krisen treffen Frauen ganz besonders: sie leisten unverzichtbare Arbeit, sei es in der Pflege im Handel oder in vielen anderen Bereichen. Zusätzlich schultern sie den überwiegenden Teil der unbezahlten Arbeit: Kinderbetreuung, Homeschooling, Haushalt und mehr. All das lässt sie zu ‚Heldinnen‘, ‚gesellschaftlichen Airbags‘ oder der ‚Reservearmee‘ werden – diese Begriffe wurden ihnen u.a. in der Krise zugeschrieben. Die Krise hat rückschrittliche Tendenzen ans Licht gebracht. Gerade deshalb bietet sie aber auch die Chance und die Gelegenheit, grundlegende Verbesserungen jetzt umzusetzen“, schilderten die Tiroler Landesfrauenvorsitzende der SPÖ NRin Selma Yildirim, ihre Stv. Frauensprecherin LA Elisabeth Fleischanderl sowie Familiensprecherin LA Claudia Hagsteiner im Rahmen eines Pressegespräches.
Zurück in die frauenpolitische Zukunft lautet daher das Motto der SPÖ-Frauen. Eine im April durchgeführte Studie zeigt, wo die Frauen der Schuh drückt und wo jetzt angesetzt werden muss. „Wir lobbyieren für frauenpolitische Themen, die in Krisen noch stärker als sonst von der Bildfläche verdrängt werden. Auch weil immer noch überwiegend Männer in Entscheidungspositionen sitzen. Die türkis-grüne Bundesregierung hat sich in einer Flut von Pressekonferenzen Fußball und Co. gewidmet, Frauenpolitik war ihr leider kein Anliegen.“
„Frauen leisten Großartiges. Mit Wertschätzung, Respekt und offenen Ohren ist es allerdings in der Praxis schnell vorbei, wenn Frauen berechtigte Forderungen stellen. Das haben die vergangenen Tage einmal mehr deutlich gemacht“, so Yildirim. Für sie sind Neubewertung von Arbeit, das heißt die gerechte Bezahlung von Frauenarbeit, die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit sowie Verteilungsgerechtigkeit die zentralen Themen: „Arbeitszeitverkürzung, echte Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Armutsbekämpfung sind wesentliche Schritte in diese Richtung.
„Probleme, die sich in Österreich zeigen, sind in Tirol durchwegs noch stärker ausgeprägt: Das fängt beim Gesellschaftsbild an, geht über eine sehr weit offene Lohnschere, eine hohe Teilzeitquote und fehlende Plätze beim Gewaltschutz. Der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen war in der Krise ebenso ein Thema. In Tirol wird es den Frauen in vielen Bereichen besonders schwer gemacht., bei uns ist der Handlungsbedarf also besonders hoch. Hier endlich in die Gänge zu kommen, darauf werden wir die schwarz-grüne Landesregierung drängen“, betonte Fleischanderl.
Der bevorstehende Sommer bereitet Familiensprecherin Hagsteiner Sorgen: „Mehr als die Hälfte der Eltern mussten während der Krise bereits Urlaub nehmen, um die Kinder betreuen zu können. Viele wissen jetzt nicht, wie sie das im Sommer bewältigen sollen. Für viele ist das auch ein finanzielles Problem. Unsere Forderung nach ganztägigen, ganzjährigen und kostenlosen Angeboten mit einem Rechtsanspruch bleibt daher aufrecht. Zur Bewältigung der Krise wird es zusätzlich staatlich finanzierten Betreuungsurlaub brauchen.“
 
Umfrage zur Corona-Krise und der Arbeitswelt von Frauen
Die Umfrage der SPÖ-Frauen hat gezeigt, dass die Antworten in Tirol etwas negativer als im Bundesschnitt ausgefallen sind. Die Umfrageergebnisse zeigen klar: Frauen tragen den Hauptteil der Belastungen. Fast 9 von 10 der Befragten stimmten dieser Aussage zu. Das unterstreicht den enormen Handlungsbedarf, der hier seitens der Politik herrscht. Mehr als die Hälfte der Tirolerinnen sahen während der Krise einen höheren persönlichen Betreuungsaufwand. Bezogen auf die Belastungen fühlten sich die Frauen nicht ausreichend unterstützt. Zwei Drittel befürchten eine Verschlechterung ihrer beruflichen Situation.
 
Die SPÖ fordert daher u.a.:
Ein Soforthilfepaket für Alleinerziehende
Einen Krisenüberbrückungsfonds für geringfügig Beschäftigte und ArbeitnehmerInnen die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben
Die Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70% des letzten Nettoeinkommens
Einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz
Eine Aufstockung des Familienhärtefonds
Einen Mindestlohn von zumindest 1700 Euro steuerfrei
Eine massive Arbeitszeitverkürzung im Sinne der verkürzten Vollzeit. Das würde zu einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung führen und würde Frauen und Männer entlasten.